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Mit Fontane auf'm Pütt

Die Fahrt hing buchstäblich am "seidenen Faden", denn zur Anmeldefrist hatten sich (den Wanderleiter und seine Frau eingerechnet) gerade drei Wanderfreunde gemeldet. Schließlich waren wir doch 5, die sich auf die nun etwas teurer gewordene Reise ins Ruhrgebiet machten.

Am 12. Mai 2010 fuhren wir also nach Essen - zu Viert, denn einer der gemeldeten Teilnehmer wollte lieber mit dem Auto fahren. Dort angekommen, stiegen wir erst einmal in die falsche U-Bahn und fuhren mit einem kleinen Umweg ins Hotel, welches sehr verkehrsgünstig mitten im Zentrum lag. FolkwangmuseumWir legten nur das Gepäck ab, denn wir hatten ja volles Programm: Erstes Ziel war das Folkwangmuseum. Aus Anlass der Eröffnung des Museumsneubaus zeigte es in einer Sonderausstellung Werke, die das Museum besaß, bis sie die Nazis als "entartete Kunst" verscherbelten. Nun sind sie aus aller Herren Länder als Leih­gaben zur Wiedereröffnung des "Schönsten Museums der Welt" zurück gekommen. Daneben gab es noch rudimentär die Dauerausstellung, allerdings nur die Kunstsammlung des 20. und 21. Jahrhunderts, die Grafik- und Fotografiesammlung und die Sammlung des Deutschen Plakatmuseums. Wir hatten auch so Mühe, alles bis zum Schließen der Pforten zu betrachten.

AaltotheoterAls Extra für diesen Tag hatten wir das Glück, noch Karten für die Ballettaufführung "Leonce und Lena" im Aalto-Theater zu bekom­men. 1959 hatte sich eine Jury einstimmig für den Entwurf des finnischen Architekten Alvar Aalto entschieden. Doch erst 1983, sieben Jahre nach dem Tode Aaltos, kam es zum ersten Spatenstich. 1988 wurde das Haus eröffnet, und wir konnten nicht nur die eigenwillige, jedoch schöne Formgebung des Hauses bewundern, sondern erlebten auch eine interessante Aufführung.

Der 13. Mai 2010 stand im Zeichen der Städte Dortmund und Bochum. Nach einer S-Bahn-Fahrt quer durchs Ruhrgebiet - man muss ja nicht immer den direkten Weg nehmen - kamen wir in Dortmund an und unternahmen einen Rundgang durch die Innenstadt.DortmundDie Stadtarchitekten haben es gut verstanden, Altes und Neubauten zu kombinieren.Zeche ZollernHauptereignis in Dortmund war allerdings die Besichtigung der Zeche Zollern. Wie man sieht, waren die Bauwerke so gestaltet, dass sowohl die Kumpel als auch Gäste den Eindruck hatten: Hier ist etwas Besonderes! Bei einer umfangreichen Führung bekamen wir nicht nur erste Ein­drücke vom Arbeiten auf einer Zeche, sondern auch detaillierte Hinweise über die Funktion einer solchen Anlage, Hinweise, die uns später noch sehr hilfreich sein sollten.

Mit dem Bus - das ganze Ruhrgebiet ist ja wie eine riesige Stadt - fuhren wir dann nach Bochum. Erstes Ziel war das Deutsche Bergbaumuseum. Deutsches BergbaumuseumUnter und über Tage konnten wir uns über die Geschichte des Bergbaus informieren und eine Teilnehmerin lernte gleich an der Kasse, dass man auf den Bergarbeitergruß auch "Glück auf!" antwortet. Interessant war, dass die Gestalter des Museums einen ehemaligen Luftschutzkeller zu einem "perfekten" Schacht umgebaut hatten. Zweifel an der Echtheit hatte ich ja schon während des Rundganges, und eine Nachfrage führte zur Gewissheit. Auch in diesem Museum blieben wir bis zum Rausschmiss und hatten dabei nicht einmaleinen Bruchteil der 12000 m² Ausstellungsfläche gesehen.Jahrhunderthalle Bochum

Bevor es mit der Kultur weiterging stärkten wir uns im "Bermuda-Dreieck". Zum Glück ist dabei keiner auf Nimmerwiedersehen verschwunden, denn es stand ja noch der Höhepunkt des Tages aus. Das war ein Symphoniekonzert in der Jahrhunderthalle. Als ehemalige Werkhalle eines Stahlwerks ist das Gebäude schon ein wenig größer als normale Konzertsäle. Und weil das so ist, standen für Gustav Mahlers Auferstehungssymphonie gleich zwei Orchester und zwei Chöre auf der Bühne. Der Abend war überwältigend. Ein gelungener Abschluss des zweiten Tages.

Stadtteil WerdenAm 14. Mai 2010 blieben wir in Essen. Trotz der Kälte fuhren wir zum Naherholungsgebiet Baldeneysee. Aber nicht dem See galt unsere Aufmerksamkeit, sondern einer Installation Namens "Ruhr-Atoll". Schon von weitem sahen wir mitten auf dem See ein U-Boot vor Anker liegen. Die Inschrift "Ich kann, weil ich will, was ich muss" konnten wir allerdings nur in Spiegelschrift lesen - bei schönem Wetter hätte man sich ein Tretboot ausleihen und alle Kunstwerke anfahren können. Schade, so haben wir eine ausschließlich für RUHR.2010 gemachte Installation nur unvollständig gesehen.

Essen, ehem. Credit-AnstaltAls Ersatz liefen wir in den Ortsteil Werden. Ein schönes kleines Städtchen mit zwei großen Kirchen: der evange­lischen Luciuskirche, die angeblich die älteste Pfarrkirche nördlich der Alpen sein soll, und der Abteikirche St. Ludgerus. Aber auch sonst wies der Ort viele schöne Ecken auf, die natürlich bei Sonne noch schöner ausgesehen hätten. Nach diesem Ausflug in die alte Geschichte fuhren wir wieder in die Innenstadt und machten einen Stadtrundgang nach einem im Internet gefundenen Denkmalpfadführer. Er führte uns leider im Wesentlichen zu Bau­werken, die nicht mehr da waren: die Innenstadt wurde während des 2. Weltkrieges bei 242 Luftangriffen zu 90 Prozent zerstört. Trotzdem gelang es uns, einige noch vorhandene historische Gebäude ausfindig zu machen, wie z.B. das der Essener Credit-Anstalt (1898-1901).

Zeche ZollvereinDer Nachmittag gehörte dem UNESCO-Welterbe, der Zeche Zollverein. Hier mussten wir uns erst einmal über die unzähligen Angebote informieren, die man für die Besucher bereit hatte. Leider war es ein wenig unübersichtlich dargestellt, und so versuchten wir erst auf eigene Faust die Kohlenwäsche zu verstehen. Später schlossen wir uns einer Führung an und bekamen immerhin einiges mit - bis wir enttarnt und des Platzes verwiesen wurden. Danach ging es erst mal in luftige Höhe hinauf. Der Rundblick vom Dach war überwältigend, zumal sich inzwischen die Sonne gezeigt hatte. Nun ja, zum Verweilen war es zu kalt und für das Ruhrmuseum hatten wir ja auch Eintrittskarten gelöst. In drei Etagen zeigte uns das Museum viel Interessantes über das Ruhrgebiet von der Urzeit bis zur Gegenwart. Am Interessantesten war natürlich die Ausstellung über die Entwicklung der Industrie. Von der Kokerei, dem Kunstschacht und dem SANAA-Museum haben wir nur die Außenmauern gesehen. Man braucht eben doch mehr als einen halben Tag für das ganze Gelände. Vielleicht ein Grund, wiedereinmal hier her zu fahren? Die geplante Steigerführung auf Zollverein war leider ausgebucht. Anstelle dieser waren wir dann am Abend endlich einmal in Essen essen.

Tetraeder BottropAm 15. Mai 2010 hatte ich keinen besonders guten Start erwischt. Wir hatten es eilig, denn wir wollten ja nach Bottrop fahren. Das fing damit an, dass ich die Gruppe zu einer falschen Haltestelle führte. Als ich das bemerkte, wollte ich uns noch umdirigieren. Allerdings bin ich da völlig in die falsche Zeile meines Fahrplans geraten. So kamen wir dann mit einer halben Stunde Verspätung in Bottrop an, und da Verspätungen immer nur größer werden, war guter Rat teuer - in Form einer Taxifahrt zum Fuße des Tetraeders.Malakoffturm BottropDer steht auf einer 65 m hohen ehemaligen Halde und ist selbst etwa 50 m hoch - also viele Gründe, dort hinauf zu steigen. Natürlich mussten wir dann auch wieder die fast 400 Stufen hinunter, denn das nächste Ziel war der Malakoffturm, einer der letzten seiner Art, benannt nach der Festung auf der Krim, weil er ebenso stabil wie diese war. Nun endlich hatten wir auch den Zeitplan eingeholt, so dass auch genügend Zeit für einen Stadtrundgang blieb.Villa Dickmann BottropErstes Ziel war die Villa Dickmann, die zu den schönsten Gebäuden Bottrops gehört. Ihre Erbauer machten nicht aus Kohle "Kies", wie es hierzulande üblich wäre, sondern aus Kies "Kohle", denn sie waren Kiesgrubenbesitzer. Dann ging es quer durch die Stadt, vorbei an einer alten Apotheke, in der noch richtige alte Möbel und Gefäße standen, zum Rathaus.

Mit dem Schnellbus fuhren wir dann nach Oberhausen. Gasometer OberhausenDort besichtigten wir als erstes den Gasometer. Natürlich wird dieser nicht mehr zu seinem ursprünglichen Zweck verwendet, sondern als riesige Ausstellungshalle. Zur Zeit fand die Ausstellung "Sternstunden, Wunder des Sonnensystems" statt. Dafür hatte das Gebäude die richtigen Dimensionen. Wo ein Turm oder ähnliches in der Landschaft steht, müssen wir ja 'rauf und so sahen wir dann nicht nur Oberhausen sondern unter anderem auch den Tetraeder, denn wie gesagt, es ist ja alles dicht beieinander.

Rhein-Herne KanalEin weiterer Höhepunkt sollte die Fahrt auf dem Rhein-Herne-Kanal nach Gelsenkirchen werden. Im Prinzip war das auch so, nur spielte das Wetter nicht so richtig mit. Und eigentlich sieht man vom Wasser aus auch nur Kohle- und Schrottberge, also alles, was man so an einem Kanal auf Schiffe ver- oder von diesen entladen kann.

Der Rundgang durch den Nordsternpark in Gelsenkirchen brachte auch nicht viel, denn es war eben zu kalt um schöne Blumen im ehemaligen BUGA-Gelände zu sehen. Nordsternpark GelsenkirchenDie Konstruktion der Brücken war jedoch sehr interessant. Obwohl wir an der Bushaltestelle lange in der Kälte stehen mussten, kamen wir doch noch pünktlich am MIR (das heißt Musik im Revier und ist die berühmte Oper von Gelsenkirchen) an, um die bestellten Eintrittskarten zu bekommen. Es wurde eine stark modernisierte Fassung von "Die lustigen Weiber von Windsor" gegeben - etwas gewöhnungsbedürftig, aber wir haben das Haus mit seinem "Gelsenkirchener Blau" von innen gesehen. Nach dem Opernbesuch fuhren wir mit der Kulturlinie nach Essen zurück und hofften das Kulturerbe Zollverein angestrahlt zu sehen - aber Fehlanzeige, nur ein paar Fenster waren erleuchtet: eben eine Fabrikanlage!

Der letzte Tag unseres Aufenthalts, der 16. Mai 2010 war herangekommen. Ein Tag, an dem wir noch viel vor hatten. Wir fuhren nach Duisburg, dem Hafen der Kulturhauptstadt. Bevor wir aber die für Hafenstädte obligatorische Hafenrundfahrt machten führte uns der Weg in den Landschaftspark Nord. Nordpark DuisburgAuf einer 200 Hektar großen Industriebrache ist im Laufe von über 10 Jahren ein Multifunktionspark entstanden. Wir sahen nicht nur alte Bahndämme, alte Werkhallen, alte Rohrleitungen und alte Hochöfen sondern konnten auch feststellen, wie sich die Natur ihr Territorium zurückerobert. Apropos Hochofen: Hier konnten wir endlich einmal sehen, wie das so funktioniert mit dem Hochofenprozess, der uns in der Schule bis zum "Geht-nicht-mehr" eingepaukt wurde. Alles war noch so, als könne der Ofen morgen wieder angeblasen werden. Leider hatten wir keine Zeit (und auch keine Lust) mehr, bis zur Gicht hinauf zu klettern.

Binnenhafen DuisburgWieder im Stadtzentrum angekommen wartete das nächste Ereignis auf uns - die Hafenrundfahrt. Da Duisburg sowohl am Rhein als auch an der Ruhr liegt, waren wir gespannt, an welchem Gewässer nun der Hafen liegt. Natürlich hielt dieser Hafen keinem Vergleich mit denen von Rostock, Hamburg oder gar Rotterdam stand (man darf ja Äpfel auch nicht mit Birnen vergleichen), aber für einen Binnenhafen ist seine Dimension schon erstaunlich. Wir erfuhren viel Neues und uns "Neubundesbürger" erfreute natürlich besonders die Aufschrift "TAKRAF" an einem der Krane. Nach der Rundfahrt hatten wir noch etwas Zeit für einen kleinen Stadtrundgang und vor allen Dingen für eine Stärkung, denn die Heimfahrt war lang.

 

Die Fahrt in die Kulturhauptstadt 2010 machte ihrem Namen alle Ehre. Es war eine anstrengende Fahrt, aber wir haben viel erlebt. Viel Kultur, weil wir in den 5 Tagen 4 Mal in Kunstmuseen, Theatern, Opernhäusern oder Konzertsälen waren; viel Natur, weil es im Ruhrgebiet wieder sehr grün geworden ist, und viel Wissenswertes, weil wir auch zahlreiche Industriemuseen besucht haben

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